web.logvideo.logwirwir.wirbilder.jpgkont.aktarchiv.logwo.hergeht.weg

Freitag, 04. Juli 2008

Blogger sind möglicherweise keine Journalisten

Blogger nutzen 10 Mal häufiger "Ich" in ihren Texten als Journalisten. Rufzeichen werden doppelt so oft gesetzt, Anglizismen vier Mal so häufig.

Schrub neulich* das Handelsblatt, zitierend aus einer "Untersuchung" von Christoph Moss. Ach. Sportjournalisten nutzen häufiger das Wort "Abseits" als Opernkritiker. Na sowas. Okay, ich habe den kompletten Artikel nicht gelesen, weil ich das Handelsblatt nicht extra dafür kaufen mochte, aber: Musste man für derlei Erkenntnisse eine Untersuchung machen? Blogger sind qua Medium nerdig und schreiben oft über das Internet, da lassen sich Anglizismen, wie etwa, nun, "nerdig", eben schlechter vermeiden als in Leitartikeln über den Zustand der SPD, wozu einem so überhaupt gar keine Anglizismen einfallen wollen. Und natürlich schreibe ich in meinem Internet-Tagebuch (sic!) häufiger "ich", weil das ja, will man die Begrifflichkeiten aus dem klassischen Journalismus aufpropfen, eher Kolumne als Bericht ist. Und natürlich verwendet man häufiger Rufzeichen, weil es eben mehr um Meinung als um distanziertes Faktenaufzählen geht.

Ohnehin Blödsinn, diese ganzen Betrachtungen der Bloggerei. Einerseits bauscht man die Szene als Nebenjournalismus auf, was hierzulande eher nicht zutrifft -- mit Ausnahme des Bildblog gibt es keine wirklich relevanten journalistischen Blogs. Ein paar bringen es zu Strohfeuerruhm in den Medienmedien, die Klickzahlen allerdings bleiben schwach: Selbst ein täglich geupdatetes Profiblog mit mehreren Autoren wie Spreeblick schafft kaum mehr Traffic, als, sagen wir, das halb-private Xbox-Blog meines Freundes Boris. Weil man sie aber eben hochgejazzt hat, kann man dann genüsslich drangehen, sie wieder zu demontieren, weil sie den Anspruch, den etablierten Journalismus zu ersetzen, natürlich nicht erfüllen können. Oder nur in wenigen Feldern.

Alles nur Hype und Anti-Hype.

Man sollte Medien nie trauen, wenn sie über Medien berichten.

* "neulich" hier im selten gebrauchten Sinne von "vor ein paar Monaten, ungefähr im April. Ahem. Ich bin eben nicht so schnell wie andere Blogs.

Dienstag, 01. Juli 2008

Gib mir ein Zeichen!

Es gibt ja diese alte Theorie, dass man Babys, bevor sie zu sprechen anfangen, eine simple Zeichensprache beibringen kann. Man kann sich das ganz gut vorstellen: Die Kleinchen bekommen relativ schnell raus, dass sich die Chance, von Papa auf den Arm genommen zu werden, quasi exponentiell erhöht, wenn sie die Ärmchen ausstrecken und große Augen machen. Funktioniert schon lange, bevor sie das Schauspiel mit dem leicht quengelnd vorgetragenen Wort Aaaaarm! untermalen können. Unsere Tochter etwa, das Goldkindtm, hat ganz ohne fremde Hilfe ein Zeichen für Gib mir mal den verdammten Schnuller entwickelt. Dazu legt sie einen Arm ans Ohr und die Hand auf den Kopf, ganz als wollte sie diese Bewegung machen, mit der man früher geprüft hat, ob Kinder schon schulreif waren -- wer mit dem Arm über den Schädel das Ohr auf der anderen Seite ergreifen konnte, war reif für höhere Bildungsweihen. Absurd. Aber so waren die Zeiten damals, als man noch keine Computergestützten Einstufungstests machen konnte.

Hmmm, ich schweife ab. Also, das Goldkindtm kommt natürlich nicht ans andere Ohr, sie soll ja auch erst 2014 in die Schule. Aber sie macht die Bewegung immer, wenn sie den Schnuller will, wobei sie aber noch den Kopf zum Arm dreht. Und wir, freudig erregt über jedes deutbare Zeichen, denn es gibt ja auch genügend Gelegenheiten, wo man ums Verrecken nicht weiß, was das Wechselbalg will, eilen uns, ihr den Nuckel in den Mund zu stecken. Mission accomplished, Elterndressur gelungen. Es hat uns aber ein paar Tage der Beobachtung gekostet, herauszufinden, wie die Kleine überhaupt auf diese merkwürdige Bewegung kam: Wenn der Schnuller noch im Mund war, durch allzu energische Zungenbewegungen oder die generelle Tücke der Schwerkraft aber herauszufallen drohte, ließ sich mittels Drehen des Kopfes und Andrücken des Nuckels mit dem Arm zuweilen eine Stabilisierung der Lage erreichen. Das verselbständigte sich dann über die Zeit zu einem abstrakten Zeichen. Schräg, irgendwie.

Kinder sind komisch.

Montag, 30. Juni 2008

Herr Kaliban, heute

Hören --> Hot Water Music: Till the Wheels Fall Off
Sehen --> bis gestern: nix, außer EM
Lesen --> Sempé: Carlino Caramell (mal wieder)
Spielen --> Geheimakte Tunguska (DS)
Reisen --> Ostlastig: kürzlich Halle, demnächst Leipzig
Immer noch... --> ...zuviel Arbeit, zu wenig Bloggen
Immer noch nicht... --> ...mit dem Abnehmen angefangen

Sonntag, 29. Juni 2008

Ballack verschießt, Blizzard trifft: Diablo 3 kommt

diablo 3 fan

Huh. Denkwürdiges Wochenende. Unsere sympathische Außenseiter-Heldengruppe hat nun leider, naja, den letzten Level des EM 2008-Dungeons nicht geschafft, sondern ist am Boss-Mob, der Horde der Kurzpassenden Spananier, gescheitert.

Das Gute Nachrichten/Schlechte Nachrichten-Konto des Wochenendes wurde allerdings von unseren Freunden aus Irvine, Kalifornien, ausgeglichen, die am Samstag morgen nach langem bedeutungsvollen Schweigen endlich, endlich Diablo 3 offiziell angekündigt haben. Wurde auch Zeit.

Immerhin EIN Grund, um beflaggt und hupend durch die Stadt zu fahren...

Nerd-Notiz am Rande: Der Lead Designer, Leonard Boyarsky, (im Video links zu sehen) ist einer der Erfinder des von mir und anderen völlig zu Recht vergötterten Rollenspiels Fallout. Wusste gar nicht, dass der mittlerweile bei Blizzard arbeitet. Zuletzt traf ich ihn bei einer Präsentation des eher durchwachsenen Arcanum, das muss Anno 2000 gewesen sein.

Montag, 23. Juni 2008

Wir brauchen mehr (lies: andere) Spiele!

Mein Spieleregal

Neulich, da nahmen sich die Kollegen ehrenwert der älteren Herren unter den PC-Spielern an und wünschten sich, stellvertretend für uns alle, Fortsetzungen alter Spiele. Und obwohl neben Offensichtlichkeiten wie System Shock auch Obskuritäten wie mein geliebtes Superhero League of Hoboken genannt wurden, fehlte doch noch vieles. Allein ein Blick in mein persönliches Spieleregal (siehe Bild) zeigt einen Haufen alter Meisterwerke, die dringend eines Remakes oder einer würdigen Fortführung bedürfen. Also, von oben links:

Outcast, aber das hatten die GameStars auch genannt. Dann Grim Fandango, LucasArts' erzählerisch dichtes, aber spielmechanisch dünnes Adventure. Dann kommen wir zu Toonstruck, dieser schrägen Mischung aus Realfilmszenen und Comic-Animation, ihr wisst schon, wie bei Roger Rabbit, nur umgekehrt. Toll. Kann man nochmal machen, bitte. Und auch zu Baldur's Gate 2 fehlt ein vernünftiger Nachfolger. Möglicherweise wird das angekündigte Bioware-Spiel Dragon Age was, aber nach Mass Effect bin ich ein klein wenig misstrauisch. Egal, jetzt kommen wir zu Bioforge von 1995, dem furiosen Scifi-Actionadventure der untergegangenen Firma Origin. Bisschen Adventure, bisschen Survival Horror, verbunden mit toller Grafik und einer gewissen Erzählfreude, die im eigentlichen Spiel nur ein bisschen, voll aber in den Logbuchtexten zur Geltung kam, die man beim Herumstöbern in der Basis fand. Toll, toll, toll. Liebe Freunde von EA, die ihr ja auch auf meiner Lieblingslizenz Mail Order Monsters sitzt -- macht da doch endlich mal Spiele draus, meintwegen auf DS oder PSP oder Handy oder so. Oder besser, schenkt mir die Rechte, ich würde schon Verwendung dafür finden.

In der unteren Reihe wäre übrigens noch Dark Omen fortsetzungswürdig, aber bitte nicht von den Nasen, die neulich das Remake Mark of Chaos versaut haben. Und Deathgate, aber das war schon zu Zeiten seines eigenen Releases in Vergessenheit geraten. Deathgate enthält übrigens das beste Rätsel, das ich je in einem Adventure gelöst habe. Dies nur für's Protokoll. Ebenfalls fortsetzungstauglich: Star Control vielleicht. Und You don't know Jack und (man sieht's kaum) das unglaubliche Anachronox. Ach. Seufz. Anchronox. So ein schlechtes Spiel, so fantastisch erzählt.

Lernen von den Alten:

Wahrheit ist nicht, was die Mutter sagt, sondern was die Nachbarn sagen.

(indisches Sprichwort)

Kaliban-Klassiker:

Letzte Kommentare