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Neid? Debatte?

Ich habe einen stressigen Beruf, mit normalen Arbeitszeiten ist da nichts zu machen. Dazu kommt ein gerüttelt' Maß an Veranwortung, weil meine Entscheidungen maßgeblich die Geschäftentwicklung der Firma mitbeeinflussen und damit das Wohlergehen der Mitarbeiter tangiert wird. Und natürlich habe ich auch schon Mitarbeiter entlassen müssen, nicht weil mich jemand dazu gezwungen hat, sondern, weil ich es so entschieden habe. Gibt Dinge, die mehr Spaß machen. Aber beklage ich mich? Nein, ich verdiene gutes Geld und kann, und das ist der zentrale Punkt, relativ selbstbestimmt arbeiten. Wenn ich bis abends zehn im Büro sitze, dann weil ich es so entschieden habe -- und nicht, weil der Boss mit der Stoppuhr hinter mir steht. Selbst die 80-Stunden-Wochen im ersten Jahr nach der Gründung von GamePro Anno 2002 waren, dank nahezu 100prozentigem Entscheidungsspielraum, ganz gut erträglich. Viel schlechter ging es mir ein paar Jahre zuvor, als ähnliche Stundenbelastungen das Resultat der Wünsche eines überambitionierten Chefs und dünner Personaldecke waren. Das ist das wirklich harte Brot: massig Stunden, doofe Aufgaben, miese Stimmung. Wer das nicht hat, wer selbstbestimmt arbeiten kann, der ist privilegiert -- auch wenn auf der Uhr ein paar Stunden mehr stehen als 40.

Und deswegen nervt mich das peinliche Geheule der überbezahlten deutschen Manager so: Klar, da kommen Stunden zusammen, klar, da muss man Verantwortung tragen. Ja, und? Wer mit der zeitlichen Belastung nicht klar kommt, sollte vielleicht das eine oder andere nebenberufliche Aufsichtsratmandat niederlegen, ungrade Talkshow-Termine absagen und auf ausgedehnte Geschäftsessen am Abend verzichten. Wenn mich ein Geschäftspartner am Samstag, sagen wir, in die Allianzarena zum Bayern-Spiel einlädt, dann kann ich hingehen oder nicht. Gehe ich hin, habe ich mich, obwohl natürlich fast ausschließlich über Geschäfte geredet wird, nicht über die aufreibende Wochenendarbeit zu beklagen. Ein nicht ganz kleiner Teil der Arbeitszeit besteht ja bekannterweise auch aus eher repräsentativen Tätigkeiten, die nicht sofort stressbedingte Herzinfarkte auslösen, es sei denn, man raucht zu viele Zigarren und verspeist zu viele Canapées dabei. Und die schlimme, schlimme Verantwortung? Also bitte: Wer kein höheres persönliches Risiko trägt, als dass im Manager-Magazin ein mild unvorteilhafter Artikel erscheint und man sich eine Woche später ducken muss, weil einem ein kiloschwerer Batzen Geld nachgeworfen wird, mit dem habe ich kein Mitleid. Zudem ist der Entscheidungsdruck im Management weit überschätzt -- für alles kann man sich professionellen Rat von Experten holen, ein persönlicher Coach steht für die Psychohygiene bereit, Unangenehmes kann man zumeist nach bequem unten durchreichen, wie beispielsweise ein Herr Piëch in den Gerichtsverhandlungen zur VW-Affäre ja auch mit erfrischender Offenheit zugab: "Ich habe niemals Geld verteilt, sondern in diesen unangenehmen Fällen...dadurch aus der Schlinge gezogen, dass ich es an jemand anderen delegiert habe". Nun denn. Sündenböcke finden sich immer, und die Herren Vorstände tragen ja in der Regel kein wirkliches unternehmerisches Risiko, auch wenn, huh, in besonders progressiven Firmen das Vorstandsgehalt von 4,1 auf 1,5 Millionen Euro sinkt, sollte die Aktie nicht auf Kurs liegen.

Egal, wie sich die Herren auch rechtfertigen und egal, wie der Einzelfall aussieht: Hier plündert eine privilegierte Kaste die Firmen, weil, nun, weil es eben gerade geht.

Web.log Kommentare

Dakkar, Dienstag, 11. Dezember 2007, 11:29

Dakkar's Gravatar

Glaubtest du etwa wirklich noch an etwas wie soziale Gerechtigkeit? Es gab sie schon immer: Menschen die sich (mehr oder weniger ungerechtfertigt) an anderen bereichern und dann nach einer Rechtsgrundlage schreien, wenn ihr Felle davon schwimmen ... aktuell nennen sich diese Menschen halt Manager.

Ich bin prinzipiell gegen staatliche Regulierungen, und finde es auch Mist, wenn in der aktuellen Diskussion von einer Deckelung eben dieser Spitzengehälter gesprochen wird. Sollen sie diese Gehälter einfach nicht mehr absetzbar machen und schon werden sich Unternehmen dreimal überlegen mit welchen Summen sie da um sich werfen, ohne dass ihnen ein steuerlicher Vorteil dabei entsteht...

*winke* Dakky

Gunnar, Dienstag, 11. Dezember 2007, 11:31

Gunnar's Gravatar

nur zur klarstellung: ich habe mit der sache ein eher ästhetisches problem -- mich nervt die scheinheiligkeit. für staatliche regelungen bin ich nicht zu haben.

Gunnar, Dienstag, 11. Dezember 2007, 11:33

Gunnar's Gravatar

ach, und:

"fassungslos muss ich feststellen. dass die wirtschaft und ihre protagonisten offensichtlich vergessen haben, dass die soziale marktwirtschaft kein geschenk an die arbeitende bevölkerung ist, sondern vielmehr eine verabredung, dass sie es nicht übertreiben mit dem menschenverachten und wir sie dafür nicht am nächsten laternenmast aufknüpfen..."

siehe beitrag von niklas ( http://www.kaliban.org/kommentare.php?view=1076 )

traveller, Dienstag, 11. Dezember 2007, 12:14

traveller's Gravatar

Da bleibt nichts mehr hinzuzufügen. Treffende Analyse.

Groove, Dienstag, 11. Dezember 2007, 12:46

Groove's Gravatar

Von einer Begründung von Spitzengehältern aufgrund der Wochenendbelastung ist mir nichts bekannt. Verschwendung in Unternehmen ist auch deren Problem, davon leben teilweise ganze Industriezweige. Die "treffende Analyse", die auch "gebt uns Brot und Spiele und stimuliert nicht unsere niederen Instikte" heißen könnte, finde ich ziemlich pervers. Warum kümmert sich eigentlich in diesem Land nicht auch Gehalts-mäßig jeder mehr um sich selbst und läßt sich so von der Politik instrumentalisieren? Schlimm genug, daß ausgerechnet die IG Metall in dieser "Debatte" das Thema Vertragsfreiheit einführen muß.

Gunnar, Dienstag, 11. Dezember 2007, 12:55

Gunnar's Gravatar

obermann hat explizit sein gehalt mit der hohen verantwortung und der 90-stunden-woche gerechtfertigt. hätte ich vielleicht noch verlinken sollen.

siR, Dienstag, 11. Dezember 2007, 15:38

siR's Gravatar

Ein wirklich verzwicktes Problem. Es ist ähnlich wie bei den Fußballspielern - da steht die Leistung ja auch in keinem Verhältnis mehr zum Gehalt, aber das Geld ist nun einmal da und die Gehälter mitlerweile auf einem gewissen Pegel, so dass jeder, der freiwillig weniger Geld haben will, automatisch seinen Wert mindert, obwohl dieser mit der Leistung, die er theoretisch erbringt, gar nichts zu tun hat.
Es ist wie ein Karusell, das sich immer schneller dreht.

Ich bin zwar auch nicht für staatliche Regulierung, aber soll man zuschauen und hoffen, dass es sich irgendwie einpendelt?
Ich hab ehrlich gesagt keinen Schimmer, wie man dem Problem begegnen kann.

Um aber auf den "ästhetischen" Aspekt zu kommen, den Gunnar angesprochen hat: Mit der 90-Stunden-Woche ist das wirklich nicht zu begründen. Es gibt genügend ehrenamtlich Tätige, die vermutlich auf einen ähnlichen Stundensatz kommen. Verdienen die so wenig, weil sie sich nicht richtig vermarkten? Oder kann die Arbeit, die dieser ausführen, jeder machen?
Ich glaub, das einzige was diesen Leuten fehlt, ist Skrupellosigkeit - weshalb sie wohl auch ehrenamtlich tätig sind.

Die Debatte mag vielleicht etwas polemisch angehaucht sein, aber irgendwie muss man seinen Unmut über die Unverhältnismäßigkeit Luft machen und zum Ausdruck bringen!

Trabbi, Dienstag, 11. Dezember 2007, 16:08

Trabbi's Gravatar

Der Ausdruck Kaste gefällt mir. Habe letzte Woche erst was drüber gelesen, dass die meisten deutschen Manager nicht auf Grund Ihrer Ausbildung oder Ihrer Fähigkeiten, sondern auf Grund Ihrer Herkunft genommen werden. Erschreckend desillusionierend...

mc|kenna, Dienstag, 11. Dezember 2007, 16:59

mc|kenna's Gravatar

Das mit der Herkunft ist ein Selbstläufer. Privilegierte Kinder bekommen die gute Bildung, die sie später zu privilegierten Studenten und damit zu guten Studenten macht. Die dann als Manager eingestellt werden. Von außen kommt man in dieses System so gut wie gar nicht herein. Gerade deshalb aber ist die Kastenbezeichnung so treffend.

Ich denke, dass in dieser Hinsicht die Wirtschaft behandelt werden muss wie die Politik, weil sie die schon fast ersetzt hat: Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut. Nur füllt man sich hier eben die Taschen, anstatt eine Diktatur zu errichten. Irgendwie wäre mal wieder ein Aufbäumen des Volkes gefragt. Mal wieder ein Infragestellen des Systems. Ob Demokratie und die soziale/freie Marktwirtschaft wirklich so toll ist. Aber das darf man ja heute nicht mehr sagen.

Gunnar, Dienstag, 11. Dezember 2007, 17:11

Gunnar's Gravatar

ach, ja und nein. klar gibt es seilschaften und netzwerke, die sich weiterhelfen. klar hat man es als kind guter eltern leichter -- aber ehrgeiz und tatkraft und gespür mögen sich am ende schon durchsetzen, zumal heutzutage, in zeiten der internet-unternehmer.

Trabbi, Dienstag, 11. Dezember 2007, 19:00

Trabbi's Gravatar

In dem Bericht ging es auch um die klassischen Großunternehmen. Der Stammbaum aller Dax50-Vorstände wäre nicht allzugroß...

Kasimir, Dienstag, 11. Dezember 2007, 19:14

Kasimir's Gravatar

Ganz einfach, Leute: Es wird das gezahlt, was der Markt hergibt. Bums, aus. Wenn es eben gerade üblich ist, so verflucht viel zu verdienen, dann ist es eben so. Dafür muss sich zunächst niemand rechtfertigen, auch das ist unter Demokratie zu verstehen.
Ob das nun in irgendeinem Verhältnis zur Leistung steht, ist eine ganz andere Frage. Das sieht man schon an den vorgeschobenen Begründungen: Verantwortung und 90-Stunden-Woche, ich lach mich tot. Wer 90 Stunden arbeitet, hat kein Leben mehr, was sollen dann die 4 Millionen im Jahr? Solche Leute könnten viel mehr spenden und stiften, finde ich. Was soll man auch mit der ganzen Kohle auf der Bank, wenn keine Zeit hat, sie zu genießen, und meinetwegen mal ein Jahr lang 'ne Weltreise zu machen, oder sonstwas.
Naja. Was kann man dagegen machen? Nix. Muss man auch nicht. Es tut zwar weh, wenn das Gehalt des Vorstandes in keinem Verhältnis zu dem des Arbeiters steht, aber das schafft nun mal der allmächtige Markt.
Also: Nicht ärgern lassen.

siR, Dienstag, 11. Dezember 2007, 20:01

siR's Gravatar

Aber wenn man seinen Ärger zum Ausdruck bringt, hat man immerhin noch die Chance, manche Raffzähne zur Vernunft zu bringen und einen Schritt kürzer zu treten.
Es soll ja auch Manager geben, die freiwillig auf mehr Gehalt verzichten um den Groll der Arbeitnehmer nicht auf sich zu ziehen und um das gute Arbeitsklima nicht aufs Spiel zu setzen.

Ellenn, Dienstag, 11. Dezember 2007, 20:12

Ellenn's Gravatar

Mich würde ja mal interessieren, ob bei IDG Frauen das selbe Gehalt für die gleiche Leistung gezahlt bekommen.
In diesem Fall fände ich den Neid der unterbezahlten Frauen gerechtfertigt.
Dass das Gehalt immer von der Leistung abhängig ist, glaubt doch eh keiner mehr.

Stefan, Mittwoch, 12. Dezember 2007, 02:00

Stefan's Gravatar

Sehr erfrischend und wahrhaftig, die Einträge in letzter Zeit. Bin angetan.

Christoph, Mittwoch, 12. Dezember 2007, 08:48

Christoph's Gravatar

Das Schimpfen auf das Gejammere der Gutbezahlten ist in Ordnung. Das Schimpfen auf die gute Bezahlung dagegen nicht, finde ich. Denn bei den wenigsten, die sich darüber beschweren, dürfte es sich um echten Altruismus zugunsten der "Armen" handeln; da dürfte es doch eher um Neid im Hinblick auf das eigene Portemonnaie gehen.

Ich selbst habe das Glück, in meinem Traumberuf mit nahezu 100% Eigenverantwortung und eigener Zeiteinteilung mein eigener Chef zu sein und für faire Arbeitszeiten faires Geld zu verdienen. Es stört mich aber nicht im geringsten, wenn Kollegen (oder sonstwer) für eine Menge mehr Abend- und Wochenendaufwand ein paar zehntausend Euro mehr verdienen. Denn, wie Gunnar sagt, ob ich in jedem Ausschuß bin und mit jedem Mandanten essen gehe, entscheide ich ganz allein. "Freies Land", meine ich. Und, etwas provokativ, - das hat mir mal ein Englisch/Geschichtslehrer gesagt - "Berufswahl ist Intelligenzsache".

Tom, Mittwoch, 12. Dezember 2007, 18:40

Tom's Gravatar

Ist es klug ein Millionengehalt mit hoher Arbeitsbelastung zu rechtfertigen? Naja.

Auf der anderen Seite finde ich es Heuchelei sich über die 2,6 Millionen von Telekomchef Obermann zu echauffieren, während man zu ähnlichen oder sogar sehr viel höheren Gehältern von Sportlern, Schauspielern oder Showstars keine Silbe verliert.

In der Debatte geht es meiner Meinung nach nur indirekt um die Höhe der Gehälter. Vielmehr geht es um die Wut der Bevölkerung darüber, dass Vorstände ihre Unternehmen auf Grundlage von marktwirtschaftlichen Erwägungen führen, und sie nicht zu allgemeinnützigen Beschäftigtenversorgungsanstalten ausbauen.

Jongleur, Mittwoch, 12. Dezember 2007, 20:31

Jongleur's Gravatar

Nja, der Vergleich mit den Medienstars hinkt aber schon. Da ist die Rendite ja ziemlich greifbar - es gehen halt einfach N Leute mehr in den Film, wenn Will Smith draufsteht, und so rechtfertigt sich nunmal sein Gehalt. Ein derartiges Kriterium gibt es bei der aktuellen Management-Riege aber nunmal nicht, und das ist schon ein wichtiger Faktor. Wie Herr Kaliban schon sagt: die persönliche Verantwortung ist halt gestrichen. Es wäre glaube ich nicht ansatzweise so dramatisch, wenn ein Herr Schrempp z.B. wenigstens ein wenig zur Verantwortung gezogen würde für den Bockmist, den er gebaut hat, statt mit einer millionenschweren Abfindung davonzuhüpfen. Wenn da denn jemand ist, der dem Unternehmen hundert Millionen extra einbringt, gut, dann soll er meinetwegen fünf davon kriegen - da weiß ich nämlich nicht, ob ich das nachmachen könnte. Alles in den Sanf setzen und dann den goldenen Handschlag kriegen kann ich auch - da brauche ich dann nicht gebildet oder tatkräftig oder sonstwas zu sein, sondern einfach nur gierig und dickfellig. Gute Eigenschaften für aktuelle Politiker auch btw.

kero, Donnerstag, 13. Dezember 2007, 14:25

kero's Gravatar

Sind solche Themen nicht fuer das Sommerloch gedacht?

wolf, Donnerstag, 13. Dezember 2007, 21:59

wolf's Gravatar

Ich weiß, unsere TOP-Manager haben eigentlich eine 168 Stunden-Woche, denn alles was sie tun ist Einsatz für ihr Unternehmen, ob schlafen, träumen, essen oder irgendwelche Partner begatten. Ein Herr Obermann - und der gehört nicht einmal zu den Spitzenverdienern - kommt auch bei einem 24 Stunden-Tag auf einen Stundenlohn von knapp 300 Euro - 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Ein normaler Arbeitnehmer mit rund 2.000 Arbeitsstunden im Jahr hätte hier immerhin einen Stundenlohn von 1.300 Euro. Als Manager die Arbeitszeit als Begründung anzugeben ist billig und zeigt nur auf, dass gegen das Arbeitszeitsgesetz verstoßen wird.
Aber ich glaube Bischof Huber hat es auf den Punkt gebracht: Da gibt es eine "Kaste", die über tausende Arbeitsplätze befindet (im Regelfall abschafft) und gleichzeitig ihre eigenen Gehälter in "unmoralische" Höhen schrauben. Klar soll Verantwortung gut bezahlt werden: Aber es ist eben nicht nur Verantwortung gegenüber den Aktionären und dem Unternehmen, sondern auch Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern und den Menschen, die in dem Land leben, in dem das Unternehmen aktiv ist. Die soziale Verantwortung geht Flöten - gerade in einer globalisierten Welt sei das ja nicht mehr aufrecht zu erhalten.
Aber wie sieht es denn mit der Verantwortung beispielsweise von Herrn Mehdorn aus. Ist sie seit seinem Amtsantritt bei der Bahn so gewaltig gewachsen, das sein Gehalt in dem Zeitraum sich mehr als vervierfachen musste? Ich glaube nicht!
Der Staat reglementiert in diesem Bereich ja schon z.B. mit dem Spitzensteuersatz: Der wurde gesenkt - desto stärker sind aber die Vorstandsgehälter gestiegen. Der Staat - das sind übrigens wir alle - besitzt genügend Möglichkeiten auf die Einkommensentwicklung Einfluß zu nehmen und da ist eine Verdienst-Obergrenze einzuführen die schlechteste Lösung. Und der Staat wird handeln müssen, wenn die Situation sich nicht zuspitzen soll. Die andere Lösung wäre, dass die Spitzenverdiener-"Kaste" sich selbst reguliert - aber wie wahrscheinlich ist das wirklich.
Warum Sportler und Künstler in dieser Diskussion keine Rolle spielen? Weil ein Oliver Kahn keine 500 Menschen entläst, um sein Einkommen zu erhöhen und bei Tiger Woods sind es keine 2.000 und bei Michael Schumacher keine 15.000 Menschen. Und sogar eine Paris Hilton geht wegen Fahrens ohne Führerschein in den Knast, ein Herr Ackermann („Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“ ) konnte sich mit einer Zahlung von 5,6 Million Euro "freikaufen" und besitzt weiterhin eine weiße Weste.
Und wenn von Jahres-Spitzengehältern gesprochen wird, dann auch über die 12 Millionen von Herrn Ackermann oder die 60 Millionen von Herrn Wiedekind

Kelloggs, Freitag, 14. Dezember 2007, 17:59

Kelloggs's Gravatar

Ich empfinde es einfach als einen nicht zu rechtfertigenden Zustand, wenn jemand um einen Faktor 100 mehr verdient als ein Durchschnittsverdiener.

Ich finde es nicht fair, wenn auf dem unteren (aber nicht untersten) Level über Mindeststundenlöhne von knapp 8 Euro verhandelt wird, wie aktuell im Postgewerbe.

Sicherlich trägt der Manager eine höhere Verantwortung, schließlich hängt an seinen Entscheidungen maßgeblich das Wohl seiner Mitarbeiter. Allerdings hat die jüngste Vergangenheit mehrfach gezeigt, wie mit eben dieser Verantwortung umgegangen wird.

Und wenn ich höre, die Jungs und Mädels müssen so viel verdienen, da sie ja schließlich lediglich auf wenige Jahre befristete Arbeitsverträge haben und nicht wissen, ob sie anschließend auf der Straße sitzen, kann ich einfach nur lachen. Für ein 4 Millionen Jahresgehalt schiebe ich gerne 3-4 Jahre eine 80 Stundenwoche um mich anschließend in den Ruhestand zu begeben und mir auf den Bahamas die Sonne auf die Wampe scheinen zu lassen.

Konservo-Thomas, Sonntag, 16. Dezember 2007, 22:06

Konservo-Thomas's Gravatar

Interessant ist auch die Sprache der Angreifer. 'Heuchelei', 'Rechtfertigung', 'Bereicherung', 'Gerechtigkeit', 'Verschwendung', oftmals Worte aus der Bibel. Dieser Art der Diskussion ist sehr europäisch, auch in Holland wird so argumentiert und zB auf den Kop der Krankenhausdirektoren, ahem, geschissen, die so 400k verdienen. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit hat auch die DDR beschäftigt. Als Heizer konnte man 200 Mark im Monat verdienen, weil es schwere und schädliche Arbeit war. Ein Oberarzt verdiente eben viel. Trotzdem ist es eben so, daß man sich schon ganz schön anstrengen muß, um mit seinem BWL oder Jura-Studium auf so einen tollen Posten zu kommen. Und da sitzt der Hase im Pfeffer, die Marktwirkung tut's nämlich auch anders 'rum: weil es so schwer ist, den Job zu kriegen, isser so gut bezahlt. Ob das jetzt gerecht oder so ist, hmmm tja, so lange wir im Westen wohnen und irgendwo Leute, die das gleiche machen wie man selber, verhungern und verschimmel, da ist das mit-dem-Finger-auf-andere-zeigen so ein Hobby gelangweilter Industriekinder. So lange eine Augenoperation in Indien so teuer ist wie, ahem, ein Computerspiel vom Grabbeltisch, so lange darf man eigentlich auch nicht meckern über die Exzesse der westliche marktwirtschaft- man nimmt nämlich gerade daran teil.......

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