Mode ist gesammt eine unnötige und bizarre Abhängigkeit, welche immer paradoxer wird, so habe ich zb. gestern eine Gruppe 13-16 Jähriger gesehen, die bei 27C mit Hauben herumgelaufen sind 0o... Manipuliertheit ...
Der alte Mann und die Querstreifen

Dass die Mode in Zyklen verläuft, ja, das ist mir auch klar. So rein kopfmäßig. Eigentlich. Aus der Nähe zu beobachten, wie Zyklen aus meiner Jugend wiederkehren, das ist allerdings nachgerade gruselig: die mild affigen Ballerinas an den Füßen hipper 16jähriger Mädchen, die zahllosen grellen Querstreifen überall, die leichten bunten Schals, die für Männer in München jetzt offenbar Pflicht sind. Erschwerend dazu kommt das Wiederkehren der Krokopopper-Marke Lacoste, diesem Modezombie der glücklich überwunden geglaubten 80er Jahre, von dem ich irgendwie angenommen hatte, er sei für immer in der Versenkung verschwunden. Aber naja, Modern Talking hatten ja auch ein Comeback, wer will es den Lacostes verwehren, mal zu schauen, ob das Krokodil noch wirkt.
Außerdem: Es irritiert mich das Erstarken der Pullunder (jetzt offenbar Sweater genannt), in lang- und kurzärmeligen Varianten. Normale junge Männer, die gestern noch T-Shirts von G-Star oder Trainingsjacken von Mishumo getragen haben, spazieren heute mit Hemdkragen und großflächigen Karos herum, Karos von dieser Sorte, wie sie auf Burlington-Socken zu finden sind. Sehen aus wie Golfer, die ihren Golfbag vergessen haben. Oder Internatsschüler auf dem Weg, Oma Henriette zu besuchen. Diese Hemd-Pullunder-Kombination war für uns früher Inbegriff der Spießigkeit, heute geht man so in den Club. Verkehrte Welt.
Wenn ich mal Kinder haben sollte, versuchen sie vermutlich, mit pastellfarbenen Sakkos, Poloshirts und Lederslippern ohne Socken aus dem Haus zu gehen -- und ich muss sie in den Keller sperren, damit sie der Familie keine Schande machen.
Web.log Kommentare
Ancient, Samstag, 14. April 2007, 17:57
René, Samstag, 14. April 2007, 18:05
@Ancient
Das selbe beobachte ich auch in meiner Klasse. 17-20 Jährige, die morgens bei 10-15°C mit Winterjacke und Mütze in die Schule kommen und Früh-/Nachmittags bei 25-30°C nach Hause gehen.
Bei den Kiddies der jüngeren Jahrgänge ists so, dass man Augenschmerzen bekommt. Gestreifte Stretch-Kleidung der frühen 80er mit Schaals, die alle grausam grell sind.
zippo, Samstag, 14. April 2007, 19:00
ich hab nix gegen mode und gegen die verschiedenen geschmäcker. noch weniger habe ich etwas dagegen, dass sich anscheinend alles irgendwie wiederholt bzw. selbst-neu-erfindet. jedem das seine, wie gesagt.
es gibt etwas, das ist viel schlimmer als die reine klamottenmode, geht aber leider oft damit einher: schlankheits- und schönheitswahn.
PropheT, Sonntag, 15. April 2007, 00:32
Ich finde diese quer gestreifen Pullover überall grässlich. Jeder Depp rennt mit sowas rum.
Pascal, Sonntag, 15. April 2007, 03:08
geniale kombination gesehen in frankfurter straßenbahn: person weiblich, südländischer teint, pinke lippen, schwarze fellkapuzkragenjacke, dazu türkise, weißgestreifte adidas sporthose und schwarze lederstiefel ohne absatz. gekrönt wurde das ganze nurnoch von dem bewerbungsschreiben in ihrer hand.
Arne, Sonntag, 15. April 2007, 11:12
Jepp, stimmt genau. Am Freitag war ich seit langer Zeit mal wieder in einer Großraumdisco, scheußlich was man da ansehen musste. genau dieser Typ Pollunder-Hemd rannte da vermehrt herum; zusammen mit dem obligatorischen Fubu-Ghetto-Typ und dem halbnackten Netzträgertyp. Für die Variationen weiblicher Kleidungsstile reicht mein Vokabular nicht aus...
Ich kam mir mit meiner Jeans und meinem schlichten schwarzen Hemd vor wie ein Marsmensch.
Peter, Sonntag, 15. April 2007, 17:25
Was ich derzeit schlimm finde: The retourn of the Weste. Diese Leder- oder Stoffdinger, die ich mit stiernackigen Bierkellnern, Skatspielern, Busfahrern und (dem sonst ja sehr netten) Martin D. in Verbindung bringe.
grobi, Montag, 16. April 2007, 15:29
Ich bin zwar sicherlich ein Stückchen jünger als Gunnar, allerdings gilt auch für mich seit Jahren:
Träger einer Hemd-Pullunder-Kombination = FDP-Wähler
Und jetzt zieht man durch die Städte und sieht diese Uniform im Dutzend. *grusel*
Poloshirts: die aufgeführte Kleidungskonfiguration ("pastellfarbenes Sakkos, Poloshirt und Lederslipper ohne Socken") sind sicher ein Verbrechen, aber gegen Poloshirts an sich kann man doch nichts haben, oder?
Reiner, Donnerstag, 19. April 2007, 00:02
Vielleicht erklärt ja http://www.teapartay.com den "neuen" Modetrend ;-)
Im ernst, ich selbst trage Polos, Rugbys, Chinos und Segelschuhe etc.. Allerdings nicht seit es "in" ist, sondern seit ich allgemein Wert auf ein "seriöses" (spießiges? und wennschon...) Äußere Lege.
Ich muss allerdings zustimmen, dass dieses Jahr fast jeder Zweite an der Uni ein Polohem trägt, und z.B. auch Karstadt den Trend erkannt hat, und mit "Polos für Generationen" wirbt. Ich sehe diesen Modetrend allerdings als weitaus weniger kritisch, als das Gangstergetue. Wer weiß, vielleicht stirbt das endlich mal aus :-T
Jens, Donnerstag, 19. April 2007, 13:37
zumindest ist der aktuelle Name "Sweater" mal passend. Pullunder hat man ja nun nicht wirklich irgendwo drunter gezogen. Aber schwitzen tut man in den Dingern meiner Kindheitserinnerung nach wirklich wie ein Schwein.
Alexander, Sonntag, 20. Dezember 2009, 09:36
Ich bin bekennender Hemd-Pullunder-Träger und das schon seit langem. Das ist eine klassisch zeitlose Kombination. Ich finde das bequem und ist nicht so warm wie ein Pullover. Im übrigen gibt es keine Pullunder mit langen oder kurzen Ärmeln, sondern nur ohne Ärmel. FDP wähle ich ganz bestimmt nicht.

